Blöde Namen...

Blöde Namen...Man könnte meinen, die Kevin- Generation hat aufgrund mangelnder Verhütungskenntnisse schon selbst Nachwuchs und kann sich mehr als eine Silbe einfach nicht merken..Von DanaeDanae 16.07.2012Ob es nun am schlechten Fernsehprogramm oder doch einfach in der Natur liegt... in meinem Bekanntenkreis wird kräftig geworfen... Das ist ja an und für sich etwas Schönes und ich freue mich auch meistens für die jungen Eltern... allerdings frage ich mich oft, ob die meisten noch ganz bei Trost sind, wenn ich die verschnörkelten Namen auf den Geburtsanzeigen lese...

Ich zucke jedes Mal innerlich zusammen, wenn so ein handbeschriebenes Couvert bei uns im Briefkasten liegt. Zum Glück ist man beim Öffnen dieser Post ja meist nicht in Anwesenheit der stolzen Eltern und kann sich dem spontanen Lachanfall, welchen die meisten dieser Namen hervorrufen, ungeniert hingeben.

Die Zeit der Kevins, Justins und Jessicas ist ja zum Glück vorbei... die werden grad an die verschiedenen Sonderschulen des Landes verteilt und bewerben sich um eine Lehre als Regaleinräumer. Aber wie der Teufel, der mit dem Belzebub ausgetrieben wird, erobert nun eine andere, nicht minder schreckliche Gattung von Namen die Hitlisten. Der Trend geht in Richtung kurze, ein- bis höchstens zweisilbige deutsche Namen, welche mich stark an Berliner Popbands und Universalreiniger erinnern. Oder was fällt Euch spontan zu Mia und Max ein?!

Man könnte meinen, die Kevin- Generation hat aufgrund mangelnder Verhütungskenntnisse schon selbst Nachwuchs und kann sich mehr als eine Silbe einfach nicht merken... stimmt aber nicht. Meist stecken hinter diesen Namensgebungen biologisch abbaubare Ü30-Eltern, die ihren Kindern ein bisschen Prenzlauer Berg mit auf den Weg geben möchten und ihre Kleinen am liebsten zweimal wöchentlich ins Bikram- Yoga mitnehmen würden.

Die zweite Tendenz, welche ich erschrocken feststelle, sind griechisch-stämmige Namen. Die sind ja, richtig ausgesprochen, eigentlich sehr schön. Das Problem ist nur, dass ich noch nie einen Schweizer gehört habe, der Jannis oder Athina richtig ausspricht. Gepaart mit so wunderbar exotischen Nachnamen wie Emmenegger oder Baumann sind spätere Besuche beim Schulpsychologen vorprogrammiert.

Wenn ich eine Aufmunterung brauche, setze ich mich gerne an einem sonnigen Nachmittag auf ein Bänkli auf der Bäckeranlage und höre mir an, welche Namen da gekreischt werden. Lanzelot, gib dr Amelie s Schüfeli zrugg... Athanassios, wetsch än Öpfelschnitz? ... Lea- Tina, chumm goge Windle wächslä...

Das Grauen kennt keine Grenzen. Ich freue mich darauf, wenn all diese Kinder in Schulklassen zusammengepfärcht werden und so ein armer Lehrer, die Anwesenheitsliste vorlesen muss. Oder noch schlimmer: Cosmo- Bill lernt im Ausgang ein Mädel kennen und sie fragt ihn, wie er heisst... der arme Kerl hat doch keine Chance auf ein Weiterführen des Gesprächs, geschweige denn eine Telefonnummer!!!

Das beste Auswahlverfahren hatte immernoch eine gute Freundin, welche letztes Jahr ihr erstes Kind bekam. Die hat sich bei jeder Namensidee vorgestellt, wie es sein würde, diesen Namen wütend im voll besetzten Bus zu schreien. Klingt simpel, ist aber genial. Der Kleine hat jedenfalls einen wunderschönen Namen gekriegt, der erstens zum Nachnamen passt, zweitens seiner Mutter eine lautstarke Erziehung erlaubt und ihm dazu später sicher ganz viele Telefonnummern einbringen wird... wenn er dann mit Lia, Aliya und Ella überhaupt was zutun haben will.
Danae Loucatos arbeitet als Stylistin, liebt Johnny Cash, Johnny Walker und Horrorfilme mit überdimensional grossen Tieren. Sie lebt zwar seit 37 Jahren in Zürich, war aber trotzdem noch nie an der Streetparade und findet das gut so. Danae schreibt jeden Montag neu auf zuri.net und freut sich über Reaktionen. Lobpreisungen und Hasstiraden gerne an: danae@zuri.net

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