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Seaworld an der Limmat

Seaworld an der LimmatMan soll es nicht für möglich halten... letzte Woche schien doch tatsächlich mal die Sonne! Und das so heftig, dass ich mir meinen Bikini schnappte, meinen Astralkörper in Sonnenöl marinierte und zur Badi pilgerte.Von DanaeDanae 30.07.2012Man soll es nicht für möglich halten... letzte Woche schien doch tatsächlich mal die Sonne! Und das so heftig, dass ich mir meinen Bikini schnappte, meinen Astralkörper in Sonnenöl marinierte und zur Badi pilgerte.

Dass ausser mir so ziemlich jeder in Zürich die gleiche Idee hatte, war ja klar. Und doch bin ich immer wieder überrascht, wie viele Leute an einem normalen Mittwochvormittag frei haben. Verdammt! Egal, ich schnappte mir mein Badetuch und eine alte Eintrittskarte der Frauenbadi, welche ich beim, zugegebenermassen sehr seltenen, aufräumen meines Portemonnaies gefunden hatte und freute mich auf Wärme und Ruhe. Dass man von aussen nicht in die Badi rein sehen kann, ist ja ganz angenehm. Allerdings sieht man so auch nicht die Massen, welche sich dort schon niedergelassen haben und ob man überhaupt noch Platz hat. An der Kasse danach zu fragen bringt nicht wirklich viel. Die biologisch abbaubare Mitarbeiterin, welche wohl im Winter eine Ausbildung zur Streicheltherapeutin macht, lächelt nur dümmlich und ist zuversichtlich.
Weit gefehlt... Man könnte meinen, sie wollen testen, wie viele Personen das Floss denn nun trägt und lassen Dame um Dame eintreten, bis das ganze Ding zur Titanic wird.

Ab 10 Uhr morgens wird dort eine Art Handtuch- Tetris gespielt, bei dem jeder auch noch so winzige Fleck belegt wird. Bevor ich anderen Menschen so nahe komme, gehe ich normalerweise mit ihnen essen!!! In gemässigtem Abstand ist es mir egal, ob die anderen regelmässig zur Pediküre gehen oder einen Rasierer ihr eigen nennen, aber wenn man diverse fremde Körperteile unmittelbar vor Augen hat, kommt ehrlich gesagt oft der pure Ekel auf. Auch schlecht gestochene Tattoos und Nippelpiercings sind nicht wirklich ein visuelles Highlight...

Hinzu kommt der Trend, seine Kleinkinder dorthin mitzuschleppen. Da die Familienbadis, welche mit für Kinder so unwichtigem Zeugs wie Planschbecken, Rutsche und Spielplatz ausgestattet sind, wohl nicht hipp genug sind und man beim Kiosk der kleinen Mia- Sophia auf unkomplizierte Weise Linsensalat und koscheres Eiscreme näher bringen kann, ist die Frauenbadi zum neuen Lieblingsplatz der Ü30 Mütter geworden.

Ich habe primär nichts gegen Kinder, aber man sollte sich vielleicht mal überlegen, ob eine eh schon überfüllte Badi ohne Spielzeug und Pommes Frites Kiosk, welche aus einem Holzfloss besteht, der richtige Ort für 5jährige ist. Aber sie waren ja schon während der ganzen Schwangerschaft über da und haben sich sinnlich den Kugelbauch mit Bodyshop-Sonnencreme eingerieben und beobachtet, wie schön sich das Blütenranken-Tattoo, welches man sich vor Jahren auf Ibiza hat stechen lassen, nun über die neue Körperform stretcht... bei aller Mitfreude über Schwangerschaften: packt diese Bäuche ein!!! Ich veredle die Landschaft auch nicht mit Tragen eines Stringtangas...

Das Tages-Highlight war allerdings eine , nett ausgedrückt, ziemlich dralle Dame neben mir, welche sich auf einem „Sea-World“-Badetuch mit dazu passendem Walfisch-Aufdruck niedergelassen hatte. Eine doch eher unglückliche Wahl, meiner Meinung nach.

Falls ein paar unserer geschätzten Leserinnen Frauenbadi- Jüngerinnen sind, werde ich dort nach diesem Artikel wohl nicht mehr so gerne gesehen sein und wohl mit dem ein oder anderen Ayurveda- Teebeutel beschmissen werden... ich werde diesen Ort also zukünftig meiden und dafür nächsten Sommer unsere Dachterrasse ausbauen lassen. Es lebe die Privatsphäre!!!
Danae Loucatos arbeitet als Stylistin, liebt Johnny Cash, Johnny Walker und Horrorfilme mit überdimensional grossen Tieren. Sie lebt zwar seit 37 Jahren in Zürich, war aber trotzdem noch nie an der Streetparade und findet das gut so. Danae schreibt jeden Montag neu auf zuri.net und freut sich über Reaktionen. Lobpreisungen und Hasstiraden gerne an: danae@zuri.net

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