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Mein Gewicht

Mein GewichtUnser Kolumnist fährt auf eine andere Insel, für einmal. Und macht dort, was man sommers macht.Von MvHMvH 09.08.2012Vergangene Woche war ich auf Mallorca, das heisst, es war vorvergangene Woche (die Bedeutung von Zeitnähe wird überschätzt, finde ich). Aus Ibiza reist man mit dem Flugzeug oder Boot nach Palma; MvH wählte für hin den Luft-, für retour den Seeweg. Er war recht früh am Flughafen und erfuhr, dass die Maschine, in der er einen Platz hatte, Verspätung habe. Also erkundigte er sich, ob sein Ticket umbuchbar sei, damit er den früheren Flug, in 20 Minuten oder so, nehmen könne – das Iberia-Ticket (es hatte 88.98 EUR gekostet) war umbuchbar, mit kurzem Vorlauf und ­ohne Mehrkosten, nur zum Sagen.

Ein Satz zu der grossen Balearen-Insel: Sie ist schön, was Landschaft und Strände angeht, finde ich (auf Mallorca sieht es ähnlich aus wie auf Ibiza). Das Problem ist der öffentliche Raum. Was ich sagen will – wenn man in Ibiza an den Strand fährt, gibt es dort (fast immer) ein kleines Restaurant, in dem etwa im Haus frisch gemachte Guacamole und Cocarrois (Teigtaschen mit Huhn oder Gemüse) angeboten werden. Falls Musik zu hören ist, ist diese gut (etwa das Sonica-Radioprogramm, ein Sender der Insel, www.ibizasonica.com), und die anderen Gäste sehen in Ordnung aus (oder besser). In Mallorca dagegen findet man an Stränden oft grosse Restaurants oder sogenannte Imbiss- Kioske, wo man beispielsweise Schinken-Käse-Toast bekommt. Falls Musik zu hören ist, ist es meistens solche, die man lieber nicht hören möchte, in meinen Augen. Und die anderen Gäste sind nicht okay zum Ansehen, mir geht es jedenfalls so.

Ich fuhr hin wegen der «Copa del Rey», einer Edel-Regatta (Mallorca-Zeitung). Zwar nahm dieses Jahr Felipe von Spanien nicht daran teil (die Rennen waren vorverlegt worden wegen der Olympischen Spiele in London – und der Prinz habe viel zu tun im Juli, hiess es). König Juan Carlos macht seit vergangenem Jahr bei dem Segelwettbewerb nicht mehr mit, aus ­Altersgründen. Enter MvH immerhin (er war Gast von Rolf Auf der Maur, dem Besitzer und Skipper der «Kajsa III», einer DK-46-Jacht).

Auf Segelbooten im race mode, ehrlich, ist man im Grunde weniger Gast, mehr Gewicht (zirka 85 Kilogramm im Fall Ihres Kolumnisten). Was man ausserdem ist: im Weg (erinnerte mich an die Zeit, als ich Journalist war und ­Köche in Küchen besuchte, um sie zu befragen). Zusatzgewicht auf einer Jacht ist nicht von Nachteil, wie man vielleicht meint, wenn man kein nautischer Mensch ist, nebenbei. Das Problem: Man muss das Gewicht einsetzen beziehungsweise sich verschieben (oft). Mit anderen Worten, nachdem man einen Platz gefunden hat am Rand des Boots (das heisst, den sieben oder acht Besatzungsmitgliedern, die sich dort aufhalten, je ein Siebtel oder Achtel ihres Raums weggenommen hat), soll man weit ­hinauslehnen; zu diesem Zweck wurde der Draht, der durch die Reling läuft, gepolstert (ein wenig). Das Kommando heisst «hike», und der Sinn ist, dafür zu sorgen, dass der Rumpf des Boots möglichst steil im Wasser liegt, damit man schneller vorankommt, es ist ein Rennen schliesslich (und Anstrengungen [«hike»]?/ Druckstellen am Bauch [wegen des Drahts] sind in Ordnung, denke ich).

Grössere Mühen verursacht der Befehl «ready to tack» respektive «tack». Dann muss man (respektive das Gewicht) sofort Platz finden am gegenüberliegenden Rand des Decks. Wer spät aus dem Reling-Draht kommt, hat eine zirka 4,20 Meter hohe Wand vor sich, die erst wieder zu einem Deck wird, wenn der Skipper weniger hoch am Wind fährt und das Boot flacher liegt. Und in diesem Fall verliert die Jacht Geschwindigkeit wegen einem (das ist nicht, was man sich wünscht als Gast). However, die «Kajsa III» kam an diesem Tag als Erste der Klasse RI 1 ins Ziel (auf der Rangliste lag sie auf Platz 10 von 28 - schnellstes Boot war die RAN von Niklas Zennström, zwar in einer anderen Klasse (IRC 0), doch das ist auch eine People-Spalte (beziehungsweise Ihr Kolumnist ein Namedropper) und Zennström ein Gründer von Skype, einer Internet-Firma, die von ihm für 2,6 Milliarden Dollar verkauft wurde.

Bevor ich es vergesse: Gast (Gewicht) zu sein an der Copa del Rey, hat mir gefallen (trotz ­ «hike» und «tack»); ich empfehle die Teilnahme an einer Segelregatta in der Bucht von Palma (und die Mitnahme von Knieschützern).

Die gute Nachricht: Eines der besten Restaurants von Palma, in das fast keiner geht, befindet sich im Real Club Náutico (RCNP).
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