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 Magazine Übersicht xyz Archiv linkschlaumeier 01.01.2007

Wo sind die alten Beizen?


Als ich früher noch in Zürichost, also in Winterthur, gewohnt hatte, blieb am Wochenende nichts anderes als nach Zürich zu fahren, zu trampen, oder einen Freund zu bitten, ob er nicht fahren würde. Denn Zürichost hatte nun schon mal gar nichts zu bieten für Jugendliche als ein dämliches Jugendhaus, den katholischen Jungmännerverein, das Neustadtcafé, das Africana und später dann noch - welch Glück - das Comercio. Dann war aber Schluss und um 23.15 läutete die Polzeistunde, vehement von der Polizei auch durchgesetzt.
Also fuhren wir nach Zürich. Dort gab es die Malatesta. Den Blutigen Daumen. Die Bodega, Die Stadt Madrid. Den Pinkusladen, in dem ich oft stundenlang in Büchern schmökerte ohne dass da irgendeine Verkäuferin sechsmal gekommen wäre, um zu fragen, ob sie helfen könne. Dort gab es das Blow-Up, dort gab es die Bavieras, dort gab es den Urban Gwerder.


Wenn ich heute in Zürich einfahre, sehe ich zuerst einmal Überwachungskameras. Polizei, mehr als Jugendliche. Und wenn ich die alten Spunten suche, muss ich schon Glück haben. Die Bodega ist noch da - aber saumässig teuer geworden. Und der Rest wurde zu Vergnügungsschuppen a la Mascotte umgestaltet. Das Malatesta hatte beim letzten Mal wohl auch noch auf. Alles andere ist wegrationalisiert worden, resp. wurde einem gewinnbringenden Zweck zugeführt. So bleibe ich oft lieber einfach in Bern, also in Züriwest. Dort finde ich noch die Lokale, die ich liebe. Ohne den ganzen Schickimicki-Quark. Auf Wiederlesen oder Wiedersehen in Zürich, irgendwann...

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Zürich, 21.11.2008 © by zuri.net