 Di: 2/4  Mi: -3/4 | | Magazine Übersicht xyz Archiv  schlaumeier 01.01.2007

Sisyphus oder Nichtsein
 Die unglückliche Geschichte des Herrn Sisyphus, der seinen Stein immer und immer wieder auf den Berg rauf stösst, aber nie ankommt, und dann immer wieder unten beginnt, um dem Nichtmehrsein zu entkommen, ist den meisten Lesern wohl bekannt. Wenn ich in Zürich dem See entlang laufe, sehe ich viele solche Menschen, wenn ich in Paris bin, ebenso, und wenn ich hier im Dorf, das sich Stadt nennt, durch die Quartiere fahre, einen Parkplatz suchend, sehe ich ebenfalls den Sisyphus mehrmals. Ist das nun ein Sisyphus-Syndrom?
Nein, sagt der Verstand. Das sind Männer, die sich Mühe geben, den Dreck der Zivilisation weg zuräumen. In Paris in speziellen grünen Leuchtwesten, Hundekot sammelnd. Im Dorf, das sich Stadt nennt, in Orange gekleidet, Laub wischend, einen ganzen Herbst lang, täglich, bevor dann Schnee geschippt werden muss. Am Seeufer in Zürich müssen Bierbüchsen, Weinflaschen, Hamburgerschachteln eingesammelt werden, und natürlich auch das Laub und dann auch der Schnee und dann wieder die Reste der achtlosen, so genannten zivilisierten Bevölkerung.
Wir alle brauchen diese Leute, sie sorgen für unser Wohlbefinden. Wir rutschen nicht auf nassem Laub, wir setzen uns nicht in zerbrochene Flaschen, wir waten nicht durch McDonald-Schachteln, wir ertrinken nicht in Abfallsäcken.
Auch wenn Camus und andere diesen Stoff schon sehr oft durchgearbeitet und beschrieben haben. Mir bleibt nur ein Dank an alle Kübelmänner, Strassenfeger, Laubwischer, Schneeräumer. Manchmal finde ich deren Arbeit sinnvoller als jene der Poizei…
Denn da heisst es irgendwo: Und dies absolut ohne Verzweiflung - sondern mit dem Glück des Sisyphus, der lieber seinen Stein wälzt, sinnlos, als ins Nichts zu versinken.
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