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 Magazine Übersicht 5 Minuten linkrage 01.01.2007

Schiebetüren hätt ich gern


Die Verlockung wartet jenseits der Türen, den Glas gewordenen Verheissungen. Sie können von aussen und von innen angestossen werden, und es so viele, dass man immer eine findet, die man selbst aufstossen kann, wenn man will.

Es gab einmal ein Leben, in dem ich das auch wollte. Das war, bevor ich mit einem Kinderwagen bestückt durch Downtown Switzerland kurvte. In dem Treppen kein Hindernis waren und der Lift was für alte Damen mit violettem Farbstich in den Haaren war.

Doch dieses Leben ist vorbei, vorerst zumindest. Der Eintritt in den Laden mit den vielen Glastüren – nennen wir ihn der Einfachheit halber Manor – musste schwer verdient werden. Mit dem Rücken stiess ich die Türe auf, den Kinderwagen fest in der Hand. Und im letzten Moment hielt die Hand einer anderen Frau die Glastüre davon ab, mit voller Wucht gegen den Kinderwagen zu knallen.

Nächste Station: der Lift. Etwas, was bisher tunlichst vermieden wurde. Was für ein Glück ich hatte, dass der zweite Kinderwagen HINTER und nicht VOR mir stand, wurde mir erst bewusst, als sich die Lifttüren öffneten. Da war kein Platz für einen zweiten Kinderwagen.

Und das wiederum sollte sich, als ich vom dritten in den ersten Stock wollte, als sehr nachteilig herausstellen. Drei Mal musste ich warten, bis der Lift so leer war, dass ich und der Kinderwagen darin Platz hatten. Es waren im übrigen hauptsächlich junge Leute gewesen, die den Aufzug benutzten. Sie guckten mir belustigt dabei zu, wie ich buchstäblich jedes Mal, wenn ich aus dem Lift trat – ich war im vierten, dritten und ersten Stock – wieder halb in den Aufzug hinein musste, weil ich vergessen hatte, das der Gang so eng war, dass man den Kinderwagen, um Platz zu haben, schon beim Herausgehen abdrehen musste.

Das alles liess mich nicht unbedingt in bester Laune wieder aus den Glastüren treten, doch wider Erwarten wurde einem diesmal geholfen. Im übrigen war ich vor dem Besuch im Manor im Interio am Rennweg, wo es zwar eine wunderschöne, geschwungene Treppe gibt, doch keine Möglichkeit, mit dem Kinderwagen in den oberen Stock zu gelangen. Von den Zwischenräumen zwischen den Gestellen – mit viel Glas gefüllt - ganz zu schweigen. Ob diese Scherben Glück bringen würden, darf bezweifelt werden.

Das Kind und Wagen kein Problem sein müssen, bekam ich aber am nächsten Tag in der Migros meines Vertrauens eindrücklich vorgeführt. Als ich davor stand, waren vor mir noch drei andere Frauen. Sie alle hatten ein „Wägeli“ mit einem Kind im Maxi-Cosi drin – wie ich.

Als der Lift kam, stieg eine einzige, ältere Frau mit – ich konnte mir das Lachen nicht verkneifen – einem violetten Farbstich im Haar aus. Danach eroberten wir vier Frauen mit unseren Kindern den Lift. Wir hatten alle problemlos Platz. Zwei vorne, zwei hinten. „Das“, sagte eine der Mütter lachend, „sind glaubs alle neuen Kinder, die es in diesem Dorf gibt.
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Zürich, 08.08.2008 © by zuri.net