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 Magazine Übersicht xyz Archiv linkkasha 01.01.2007

Neulich am schönen Zürichsee


Neulich am schönen Zürichsee
Die Sonne scheint, das Wasser plätschert friedlich ans Ufer, in weiter Ferne die Berge mit schneebedeckten Gipfeln. Ich sitze mit einer Freundin da und wir schauen einem hübschen jungen Mann zu, wie er strahlend mit seinem kleinen Kind spielt. Idylle pur.

Plötzlich ein Grunzen hinter uns. Die Erde bebt. Das Muttertier naht, hochschwanger im Bikini, mit stampfenden Schritten, und faucht los: «Ha di überall gsuecht! Wieso bisch eifach verschwunde?»
Naja, ich würde mal sagen: Darum! Weil er vermutlich das Grunzen nicht mehr ertragen hat! Wenn ein Mann eine Frau kennen lernt, hofft er, dass diese sich im Lauf der Beziehung nicht ändert. Sie sollte doch bitte immer so attraktiv, locker und fröhlich sein wie in den ersten paar Wochen.

Bei Frauen ist es meistens umgekehrt. Die denken, dass sie den frischen Fang schon noch nach ihren Wünschen formen werden. Und so nimmt das Unheil seinen Lauf. Irgendwann fängt die ehemals wilde, draufgängerische Partymaus an, Coop-Märkli für neue Messer zu sammeln, Klamotten anzuziehen, die an die Zeugen Jehovas erinnern und von gesunder Ernährung zu schwafeln! Bier ist schlecht und seine Freunde alles ungebildete Neandertaler.

Jedes mal, wenn der gute Kerl vergisst, die Klobrille runter zu klappen, veranstaltet sie ein Drama und schmeisst ihm das allseits bekannte «du hörst NIE zu» an den Kopf. Und dann soll er auch noch die Haare schneiden und sich anders anziehen. Seinen schicken Flitzer gegen einen Kombi eintauschen, aufhören zu rauchen und sich am Sack zu kratzen. Das Ganze findet unter dem Deckmantel «reif und erwachsen werden» statt. Wenn dann nach ein paar Jahren ein leicht ergrauter, frustrierter Mann am Tisch sitzt und geistig abwesend wirkt, weil er von guten alten Zeiten träumt, erzählt sie mit traurigem Unterton allen ihren Freundinnen, dass er nicht mehr der Gleiche sei, den sie kennen gelernt habe. Sie sind sich alle einig: der Mistkerl hat bestimmt eine Affäre. Seine Koffer werden vor die Türe gestellt und er wird in die Freiheit entlassen mit der Auflage, bitte die Hälfte seiner Kohle monatlich zu überweisen.

Und was lernen wir daraus? Männer, falls ihr zuhause ein Coop- Märkli entdeckt, packt eure Sachen und lauft um euer Leben!
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Zürich, 12.10.2008 © by zuri.net