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 Magazine Übersicht xyz Archiv linkhorazio 07.11.2007

Coming Out Day


Coming Out Day
Das ist meine leicht verspätete Coming- Out- Kolumne zum gleichnamigen, eben erst verstrichenen -Day. Ich hab hier ja bereits des Öfteren was Persönliches gebeichtet, aber jetzt kommt es knüppeldick, ultrakrass und völlig unerwartet. Achtung festhalten:

Ich wandere gerne!

Ehrlich! Wandern ist einmalig. Zwar extrem sinnlos (genau genommen genauso sinnlos wie Joggen, Biken oder Schachspielen), aber von den Möglichkeiten sich mit allerlei unnötiger Technik einzudecken überaus interessant. Es ist heutzutage eine reine Preisfrage, wie ein Amerikanischer Wüsten-GI in Kampfmontur aufs Hörnli zu kraxeln und dabei vor lauter Schnälleli-Pressen, Riemli-Zupfen und GPS- Klicken von der öden Natur rein gar nichts mehr mitzubekommen. Wunderbar.

Ihr erinnert euch: Früher packten sie (eben die Wanderer) ein Thermosfläschli Tee, ein Päckli Tuttifrutti und ein Büüteli Flips in den ungepolsterten, alten Karo-Lederrucksack (in grün, blau oder rot gab's den), steckten die Füsse in 3 Paar rote Socken und stahlharte, saumässig unbequeme braune Wanderböden und begaben sich spontan in die Wildnis.

Das war gestern. Der Spassfaktor strebte gegen Null, die Wanderei war extrem anstrengend und für die breiten Massen viel zu einfach realisierbar. Zum Glück sieht das heute ganz anders aus:

Heute ist Wandern ein Extremsport. Es gibt Schuhe mit Air Revolution Technik, Wanderhosen mit Anti-Flatulenzmebran, ultraleichte Karbon-Anti-G-Stöcke, 1000 schichtige Faserpelz- westen, wasserdichte Nanofaser-Tächlikappen, Hochdruck-Camelbacks und GPS-UMTS-Atomfunk- uhren. Alles extrem teuer; kann sich kaum jemand leisten. Unterwegs gegessen werden hocheffiziente Powerriegel und geplant wird die Reise im Vorfeld peinlich genau mittels Google-Earth.

Dank gut ausgebauten Routen kann während einem Grossteil der Wanderung auf die mühsame Beinarbeit verzichtet und im Zügli-, Bähnli- oder Postauto am Equipment rumgefummelt werden. So macht das Wandern spass!

So und jetzt muss ich ins Bett. Morgen geht's mit dem ganzen Karsumpel für eine Woche nach Kreta in den All-Inclusive-Bunker. Die Wanderung von Zimmer 4325 zum Buffet und wieder zurück wird gut ausgerüstet ein Klacks!
linkQuelle: www.horazio.ch
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Zürich, 02.12.2008 © by zuri.net