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 Magazine Übersicht xyz Archiv linkhorazio 11.12.2007

Weltuntergang in einem Zug


Weltuntergang in einem Zug
Er wird von den Medien, als schrecklichster aller Schreckensmomente überhaupt, gerne und oft thematisiert: Nein, nicht die Wahl von Chrigi Blocher zum Bundesrat, sondern der vergleichsweise harmlose, seit Jahrhunderten unmittelbar bevorstehende, gute alte Weltuntergang; der totale apokalyptische Supergau, die endgültige und gründliche Auslöschung alles Lebens, die Pulverisierung aller von Menschenhand je geschaffener Dinge (inkl. den neuen Stadthausfiguren und den Brüsten von Pamela Anderson).

Der Weltuntergang beschäftigt meine Mitmenschen ungemein, und so kommt es nicht selten vor, dass mir Bekannte davon berichten, dass es im Fall gar nicht gut sei was momentan so abgehe und es ganz typische Zeichen dafür gebe, dass unsere Tage nun endgültig gezählt seien.
Sie lamentieren dann nervös darüber, was alles furchtbares geschehen wird, wenn sich dereinst auch der allerkleinste Chinese einen riesigen Geländewagen leistet, auf jeder Kirche und jedem Affenhaus eine GMS-Antenne die insässigen Primaten verstrahlt und durch die vielen am Nordpol ertrinkenden Eisbären, der Meeresspiegel steigt.
Eigenartigerweise scheint es mir meisten so, als könnte ich hinter den gequälten Erzählerminen einen eigentlichen Frust darüber erkennen, dass dieser verdammte Weltuntergang ja doch nie kommt; dass er uns solange zappeln lässt, bevor er uns in einer gewaltigen Feuersbrunst endlich hinwegfegt.
Und ich verstehe diese unterschwellige Sehnsucht den "Klötzliturm", der unlängst viel zu hoch geworden ist, dessen weiterer Ausbau immer mehr Geschick und Umsicht erfordert und dessen Renovierung gänzlich unmöglich erscheint, endlich umstürzen zu sehen.

In diesem Sinne freut es mich, feierlich zu verkünden, dass zumindest einige diesen grossartigen Moment nicht mehr lange herbeisehnen müssen:

Die nächsten, die in der S12 7:52 ab Winterthur mit einem Täschli einen Sitz blockieren und mich so zur illegalen S-Bahn-Frage: "Ist da noch frei?", zwingen oder am Gängli sitzend einen Platz am Fenster frei lassen und dann doch nicht schon in Stettbach aussteigen, werde ich eigenhändig in deren individuellen Armageddon führen!
linkQuelle: www.horazio.ch
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Zürich, 08.10.2008 © by zuri.net