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 Magazine Übersicht xyz Archiv linkBaerenfaller 20.12.2007

Voll d'Schlägerei!


Voll d'Schlägerei!
Damals, in der 4. Klasse der Primarschule, gab es in unserer Klasse einen Typen, den wir anderen nicht ausstehen konnten. Sandro, so hiess der Unbequeme, wurde von uns anderen gemieden, gemobbt (früher hiess das «gehänselt»), ausgestossen, verflucht und mit schrecklichen Namen bedacht. Heute, mehr als 20 Jahre später, weiss ich, weshalb wir anderen Sandro nicht mochten. Er kam bei den älteren Mädchen der 5. und 6. Klassen super an. Er konnte besser lesen und rechnen als wir, und er kriegte Zettelchen von den hübschesten älteren Mädchen (jawohl, damals wurden Zettelchen verteilt – keine SMS, keine Chat-Nachrichten). Was ich damals nicht wusste: Wir hassten Sandro, weil er uns allen überlegen war. Er wurde von denen gemocht, von denen wir hätten gemocht werden wollen. Er konnte besser, was wir mit grossen Anstrengungen nicht einmal gut konnten. Neid und Missgunst waren unsere Motoren im täglichen Rachenehmen an ihm.

Und letzte Woche musste ich erfahren, dass Derartiges immer noch geschieht. Sandro heisst in diesem Fall Christoph und die Primarschule ist das Schweizer Parlament. Christoph Blocher (zumindest seine Partei) wird von den meisten gemocht (bzgl. Wähleranteil). Er kann, was andere gern können würden. Er bewegt, regt zu Diskussionen an und mobilisiert. Wie vor 20 Jahren, musste letzte Woche auch Herr Blocher aufgrund seiner Fähigkeiten und seiner Beliebtheit (bzw. derjenigen seiner Partei) merken, dass er unbeliebt bei seinen Mitpolitisierenden ist. Weil er – trotz einiger rhetorischer Fauxpas und einer schroffen und direkten Art – bei vielen beliebt war (in Bezug auf den Wähleranteil der SVP). Er war unbequem. Das war Sandro damals auch für uns – nur konnten wir ihn nicht aus der Klasse putschen. Seine Leistungen waren ebenso wie die von Herrn Blocher sehr gut. Nur, was in der Schule nicht geht, geht im Parlament um so besser – scheint es.

Was ist von den Parlamentariern zukünftig zu erwarten? Vor 20 Jahren in der Primarschule, hatten wir nicht nur verbale, sondern auch handgreifliche Auseinandersetzungen mit Sandro. Ich erinnere mich noch, wie damals während des Unterrichts herumgetuschelt wurde: «Hitu um füfi gits Schlägerii bim Ställi hinner der Schüöl!» (Heute um fünf Uhr gibt’s eine Schlägerei bei der Scheune hinter dem Schulhaus.) Und so wird bald Samuel Schmid bei einer Bundesratssitzung zu Eveline Widmer-Schlumpf flüstern: «Hesch ou ghört, de Ueli Murer und d’Ruth Genner träffet sich am föifi ufem Bundeshusplatz – voll d’Schlägerei.» Und Frau Widmer-Schlumpf wird sagen: «Chönt’s sich das nöd no bis mora am Morga am achti nomal überlegga?» In diesem Sinne…
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Zürich, 16.10.2008 © by zuri.net