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 Magazine Übersicht xyz Archiv linkhorazio 22.01.2008

Der Fluch der Massai


Man(n) wird definitiv nicht jünger (und Frau erst recht nicht), doch fällt es durch die anfänglich nur sehr sanft anrückenden Demenz-Indikatoren kaum auf. Mal schmerzt das Knie nach dem Joggen ein wenig, mal gibt’s statt der üblichen Frühejakulation eine spontane Errektionsstörung, mal steckt man sich, in der Absicht einen tollen Popel zu fischen, genüsslich den Finger in die Nase und hat, oben angekommen, vergessen, was man da eigentlich wollte. Alles ganz normal, mit 25 setzt bei den meisten Menschen (bei einigen unmittelbar nach der Geburt) die degenrative Phase ein; der Körper beginnt merklich zu altern. Pessimistisch ausgedrückt: Das lange Warten auf den Tod beginnt.

Nach Übertritt in diesen Lebensabschnitt passen die meisten Frühstrentner ihre Gewohnheiten den erschwerten Umständen entsprechend an. Sie setzen alles daran, durch eine übertrieben gesunde Lebensweise die begangenen Jugendsünden zu egalisieren und das Unausweichliche herauszuzögern. Da freuen sich die Anbieter der unzähligen mehr oder minder nützlichen Anti-Aging- und Healthcare-Produkte und Dienstleistungen natürlich ungemein.
Die krieselnden Midlifer sind Idealkunden. Sie sind nicht nur solvent, sondern stellen ästhetische Ansprüche auch ganz klar hinter die funktionalen Eigenschaften der lebensrettenden Artikel.

Das ist wirklich dramatisch. Meine Altersgschpändli und ihr erbarmungslos schlechter Geschmack sorgen für eine Marksituation, die bestenfalls als Kollektivbestrafung bezeichnet werden kann.
Als ob es nicht schlimm genug wäre bald zu sterben, muss diese letzte Phase auch noch in absoluter uncoolness verbracht werden. Sie glauben mir nicht? Wenn Sie mich demnächst wippend am Bahnhof warten sehen werden sie verstehen.
Bisher konnte ich mich den grausligen Produkten erfolgreich entziehen, aber ein alternder Rücken hat mich neuerlich zu einer ekelerregenden Handlung gezwungen. Ich traue mich vor Scham kaum mehr auf die Strasse:

Ich gehöre ab sofort, dank einem Paar MBT-Schuhe, zu der seltenen Gattung humanoider Schaukelpferde. Es ist das absolut hässlichste, dass ich mir je angetan habe (bis auf diese eine Ex-Freundin, deren Namen ich gerade verdrängt habe); als hätte man sich zwei aufgeschnittene Autopneus um die Füsse gewickelt.

Wehe, wenn ich mich in ein paar Tagen nicht wieder wie 15 fühle und die zermürbenden Kreuzschmerzen noch spührbar sind. Dann such ich mir einen kleinen Massai und zementier ihm einen alten Teleboysockel um die Beine.
linkQuelle: www.horazio.ch
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Zürich, 30.08.2008 © by zuri.net