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Adresse suchen | Grünliberale Inder![]() «Melanie, du verstehst das falsch. Ich wähle nicht Grünliberal, weil ich die Partei oder deren Programm gut finde. Ich wähle Grünliberal, damit diese Leute Umweltschutz für mich betreiben. Und ich kann dann den Müll ungetrennt wegwerfen, das Licht und die Musik Tag und Nacht an lassen und mit meinem Auto von hieraus zwei Strassen runter zum Fitness Center fahren. Ich kompensiere mein umweltunbewusstes Verhalten mit der Wahl von grünliberalen Politikern. Deshalb wählt man ja Grün bzw. Grünliberal. Das sind grüne Sklaven für uns urbanen, modernen und genussgesteuerten Leute.» Meine Beweggründe interessierten Melanie nicht und so stellte sie drei Tüten auf den Balkon. Je eine für Glas, Papier und Karton. Nach nur einer Woche waren es schon zwei Tüten mit Glas. Am Samstag entschlossen wir uns zur Entsorgung. Alain war gerade bei uns. Der trug die Taschen runter in den ‹Mini›. Wir können ja nicht. Sie erinnern sich, wir haben lange, manikürte Fingernägel. Da schleppt man keine Taschen. Ausser Designertaschen, aber die wiederum füllen wir nicht mit Altglas. Melanie wandte beim Beladen des Autos ein: «Du, aber wenn wir schon recyceln, ist es dann nicht paradox, dass wir das Altglas mit dem Auto die hundert Meter bis zu den Containern transportieren?» «Jetzt hör aber auf! Wäre ich Umweltschützerin, hätte ich verzauste Rastalocken und trüge Birkenstockschuhe und Wollpullover. Geht gar nicht. Alain, du könntest die Taschen bis zu den Containern tragen. Als Mietentgelt.» «Hey Girls, ich habe zwar keine langen, manikürten Fingernägel, aber ich bin verdammt noch mal nicht schwul auf die Welt gekommen, um Taschen mit Müll herumzutragen.» Er hat Recht. Ausserdem kleben die Flaschen. Und sie stinken. Wir standen zu dritt hinter dem Auto und warteten, als ob die Lösung vom Himmel fallen würde. Sie fiel dann nicht vom Himmel, sondern kam aus einer Seitengasse. Drei Inder oder so. Wir streckten ihnen zehn Franken entgegen. Die drei dankten tausendmal und zogen mit dem Altglas in Richtung Container. Die Erde war gerettet. Da diese Mission grossen Hunger verursachte, setzten wir uns ins Auto, fuhren an den Indern vorbei, in Richtung Seefeld ins vegetarische Restaurant ‹Tibits›. Was lernen wir hieraus? Warum unbequem Grün leben, wenn man bequem Grün wählen kann? Eure Stephanie Anmerkung der Red. Stephanie schreibt wöchentlich und exklusiv für zuri.net. Feedback bitte direkt an unten angegebene Adresse, die Mails werden an Stephanie weitergeleitet. xyz Archiv Archiv & Preview | Menü Magazine Readme: die letzten... E grobi Sach! Der zuri.net Newsletter informiert sporadisch über alles was neu ist, in zuri.net. abezapfe. |