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 Magazine Übersicht 5 Minuten linkpax 22.08.2008

to serve and to tip


to serve and to tip
Zugegeben, meine Ansprüche an den Service in einer Dienstleistungsgesellschaft sind hoch. Das hat seine Gründe. Einer davon ist, dass mein Grossvater Tankwart war. Für die Jungen: das war früher ein Beruf. Der Mann hat an der Tankstelle das Auto vollgetankt, gleichzeitig die Scheiben geputzt, den Reifendruck überprüft und Öl nachgegossen. Danach wurde das Geld entgegengenommen und das Wechselgeld geholt. Dem Kunden die Türe aufgehalten und ihn verabschiedet. Die Lektion, die ich dabei als Kind gelernt habe: Je besser der Service, umso mehr Trinkgeld. Ganz einfach. Man leistet einen Dienst und wird dafür entlöhnt.

Viel später hab ich in einem Pub gearbeitet und die erste Lektion war; der Gast hat immer Recht. Alles für den Gast, egal wie unanständig er ist. Wir bieten eine Dienstleistung an, der Gast entlöhnt uns dafür. Bei einem mickrigen Stundenlohn war man mit dem Gast schon im eigenen Interesse höflich. Denn auch da hat sich das ausbezahlt, machte doch das Trinkgeld einen beträchtlichen Teil des Lohnes aus. Aber nur, wenn der Gast meinte, man verdiene es auch.

Nun, wie sieht es heute in Zürich aus? Schlecht. Man bestellt für 60.-- ein Rindsfilet, wird nicht gefragt wie man es möchte und es wird saignant serviert. Trinkgeld? Wohl kaum.

Im McDonald's steh ich an der Kasse in der zweiten Position. Als ich dran bin verschwindet der Typ (wahrscheinlich Gymischüler mit null Ahnung vom richtigen Leben) und lässt die Kasse offen. Als ich nach einer Minute die Kassiererin an der Kasse nebenan frage, wann er zurückkomme meint sie, er sei in die Pause. Ach ne? Dann bin ich mir auch nicht zu schade, McDo eine Email zu schreiben, in dem ich auf diesen Mangel aufmerksam mache. Auch wenn er einen Scheisslohn hat, er leistet eine Dienstleistung. Aber dessen ist er sich wahrscheinlich nicht bewusst.

Ein weiteres schlimmes Beispiel ist das Seebad Enge, in dem ich jedes Mal das Gefühl hatte, als Gast stört man da mehr, als dass man etwas anderes tut. Die sind alle so beschäftigt mit hip sein, dass ein Gast nur nervig ist.

Ich gebe nicht aus Prinzip Trinkgeld, sondern dann, wenn die Bedienung es verdient. so z.B. im Spettacolo. Ich bestelle einen Kaffee und vergesse zu erwähnen, dass ich ihn mitnehmen möchte. Als ich meinen Fehler bemerke und mitteile, schickt sie sich an, einen neuen Kaffee rauszulassen, obwohl sie meinen ja einfach in einen Becher umgiessen könnte, denn auch wenn der Gast einen Fehler macht, soll er nicht drunter leiden. Ich sage ihr sie dürfe gerne in einen Becher umleeren und gebe ihr Trinkgeld, denn sie hat verstanden worum es im Service geht.
linkCaffè Spettacolo Homepage
linkDie Spettacolos in zuri.net - zum Bewerten ;-)
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Zürich, 02.12.2008 © by zuri.net